Wie sieht ein Dialog aus?

Direkte Rede wird im Text wie ein Zitat mit Anführungszeichen „unten eingeleitet und mit Anführungszeichen oben“ beendet. Im gedruckten Buch finden wir heute meistens die französischen Anführungszeichen, die wie »Gänsefüßchen« aussehen. Als Autor reicht es, die einfachen Anführungszeichen zu verwenden, die Verwandlung nimmt dann der Setzer/ das Satzprogramm vor.

Manche Autoren lassen die Anführungszeichen weg.

Ich sagte: Heidrun, iss die Suppe.
Ich kann nicht, sagte sie.
(1)

Das kann man machen, es wirkt in die Prosa integriert, verlangt aber mehr Überlegung beim Autor wie beim Leser. Ich persönlich finde es auflockernd, wenn man die gesproche Rede als dramatischen Anteil der Prosa mit Anführungsstrichen kennzeichnet.
Ebenso fakultativ ist es, ob man ein Stück eingerückt oder linksbündig beginnt. In jedem Fall bekommt ein neuer Sprecher eine neue Zeile.

„Wir haben uns verlobt“, sagte Archilochos verlegen und errötete.
„Das ist vernünftig“, lobte Madame Bieler. „Was ist sie von Beruf?“
„Dienstmädchen.“
„Muss eine merkwürdige Stelle sein“, meinte Auguste, „wenn sie sich einen solchen Mantel leisten kann.“
„Ruhe!“ wies ihn Georgette zurecht.
(2)

Der Dialog ist eine Art Teilsatz und wird von der Kennzeichnung der Sprechsituation (dem Begleitsatz) mit einem Komma abgetrennt. Das gilt nicht unbedingt für Fragen und Ausrufe. Die meisten Verlage halten es mit Ausrufe- und Fragezeichen so wie hier im letzten Satz: ohne Komma. Einige setzen – so wie es der Duden vorschreibt – ein Komma nach dem Anführungszeichen oben.

„Mein Manuskript!“, schrie er und riss die Haustür auf.
(3)

Für mich sieht das Komma richtiger, aber auch ein wenig technokratisch aus. Braucht man es? Am Ende ist es eine Geschmacksfrage und Grundsatzentscheidung, denn in einem Buch muss die Handhabung durchgehend sein.

(1) Herta Müller, „Atemschaukel“, Hanser 2009
(2) Friedrich Dürrenmatt, „Grieche sucht Griechin“, Diogenes 1985
(3) Mikael Niemi, „Populärmusik aus Vittula“, btb Verlag 2002

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2 Antworten auf Wie sieht ein Dialog aus?

  1. K-H. Barth sagt:

    Hallo, kann man nicht auch im Fließtext Dialoge führen? wie im unteren Beispiel:

    Er bohrt weiter. „Damit ist doch Ihr Aussagegerüst endgültig zusammengestürzt, meinen Sie das nicht auch?“ „Doch“, sagt der Angeklagte, „doch, Sie haben recht. Ich hätte nicht dümmer handeln können. Mag sein, dass Not erfinderisch macht, aber wahrscheinlich beeinträchtigt sie das klare Denken.“ „Ihr Resümee interessiert uns im Augenblick nicht so sehr. Was wir von ihnen wissen wollen, das ist: wann Sie sie zum letzten Mal gesehen haben.“ „Ich kann es nicht anders sagen: Es war fünf Uhr morgens.“ „Und dabei bleiben Sie?“ „Ja.“ „Die Untersuchungen haben ergeben, dass der Tod zwischen vier und fünf Uhr eingetreten sein muss. Was haben Sie darauf zu sagen?“ „Dass es ein tragisches Verhängnis ist. Als ich sie verlassen habe schlief das Mädchen friedlich und ohne es zu merken, dass ich wegging.

    • admin sagt:

      Das kann man schon so machen, aber für den Leser ist es übersichtlicher, wenn jeder neue Sprechakt mit einer neuen Zeile beginnt. Außerdem muss man sich bei Ihrer sporadischen Kennzeichnung des Sprechers sehr darauf konzentrieren, wer was sagt. Und Sie sollten zumindest Bindestriche setzen: „Und dabei bleiben Sie?“ – „Ja.“
      Generell würde ich sagen, nichts ist unmöglich. Wenn man aber von Regeln bzw. Konventionen abweicht, sollte es dafür einen Grund geben.

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