Wenn Metaphern zu Fallstricken werden

Es ist ein Irrtum anzunehmen, die Literarizität eines Textes zeichne sich durch eine große Zahl von Metaphern aus. Es kommt nicht auf die Anzahl an, sondern darauf, Sprachbilder richtig dosiert, treffsicher und subtil zu verwenden.
Hier ein Beispiel: „Machen wir erst mal klar Schiff. In diesem Kapitel…“. Was haben Sie im zweiten Satz gelesen? Kapitän? Hier stolpert der Leser. Mit der Metapher aus der Nautik, die inhaltlich nichts weiter als „aufräumen“ meint, wird der Leser ganz woanders hingeführt – aufs Meer. Und damit weit weg von dem, was der Autor wesentlich ausdrücken wollte. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass wir Texte kontextuell lesen, also mit einer gewissen Vorerwartung, wie es weitergeht, wenn unsere Augen über die Zeilen fliegen und mit einem Wort eine bestimmte inhaltliche Richtung vorgegeben wird. Wenn beispielsweise von Karl Marx die Rede ist, würden wir vielleicht statt dem Wort „Kapitel“ das Wort „Kapital“ erwarten.
Achten Sie grundsätzlich bei der Wahl von Worten auf das Wortfeld, das es umgibt. Metaphern sollten der Klarheit eines Gedankens dienen und ihn nicht verstellen oder aufblähen. Wenn man aus Gründen der Eitelkeit oder vorgeblichen Unterhaltsamkeit aus der Mücke einen Elefanten macht, erstehen plötzlich eine Mücke und ein Elefanten vor dem geistigen Auge des Lesers, obwohl der Text in der Antarktis spielt. Die Sprache spricht – das sollte man beim Schreiben niemals vergessen. Und: weniger ist mehr.

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