Verlagssuche

Auf eigene Faust
Die Chance, dass ein unverlangt eingesandtes Manuskript zu einem Buch wird, beträgt angeblich ein Prozent. Das müssen Sie allerdings ins Verhältnis setzen zu der ungeheuren Masse von Manuskripten, die einen Verlag erreicht. Ein Kleinverleger erzählte mir von 5000 Manuskripten im Jahr. Wie viele mögen es dann erst bei Suhrkamp, Fischer und Diogenes sein? Schreibende verschicken Ihre Manuskripte oft wahllos, so auch an Telefonbuchverlage. Was ich damit sagen will: es gibt die Chance, durch einfache Verschickung einen Verlag zu finden. Verlage suchen immer gute Stoffe. Das ist aber der springende Punkt: Ihr Manuskript muss gut sein. Das kann der Autor womöglich selbst nicht beurteilen. Holen Sie sich Feedback von Erstlesern. Das können Freunde oder Verwandte sein, aber es sollten Profis dabei sein, Deutschlehrer, Germanisten, Journalisten. Arbeiten Sie so lange an Ihrem Manuskript, bis es perfekt ist und natürlich fehlerfrei. Dann, erst dann, schicken Sie es los. Ich persönlich schicke das ganze Manuskript, denn ein Exposé ist eine Kunst für sich. Ich setze es als Normseite und drucke der Umwelt und des Portos wegen zwei Seiten auf ein Blatt.
Informieren Sie sich gründlich zu den deutschsprachigen Verlagen. Würde Ihr Buch von Thema und Machart her ins Programm passen? Formulieren Sie für jeden Verlag ein individuelles Anschreiben und zeigen Sie wie bei einer Bewerbung, was Sie an dem Verlag schätzen. Sinnvoll ist eine Verschickungsaktion von zehn Manuskripten. Notieren Sie, wann Sie wem etwas geschickt haben. Bitten Sie um eine Eingangsbestätigung per Mail. Und dann heißt es: Warteschleife. Vergessen Sie in der Zeit Ihr Manuskript und schreiben Sie was Neues. Oder beten Sie, wenn es Ihnen hilft. Alles was jetzt kommt, hat mit Glück zu tun. Trifft Ihr Manuskript denjenigen, der darin ein Potential erkennt? Eine Ablehnung hat nicht unbedingt etwas mit der Qualität Ihres Textes zu tun, sondern damit, dass vielleicht gerade ein irgendwie ähnliches Buch im Programm ist oder der Verlag mit einem irgendwie ähnlichen Buch schlechte Erfahrungen gemacht hat. Vielleicht trifft es einfach nur nicht den Nerv des Verlagsmitarbeiters und was nicht passt, passt eben nicht.

Über einen Agenten
Das Prinzip der Literaturagenturen hat sich in den letzten Jahren in Deutschland immer mehr durchgesetzt. Ein guter Agent kann einem Autor auf unbeschwerliche und schnelle Weise zu einem Verlag verhelfen. Agenten werden mitunter von Autoren lieber gesehen als von den Verlagen, vor allem wenn’s um’s Geld geht. Er hat bei Honorarverhandlungen mehr Zugkraft, immerhin will er ja selbst Prozente verdienen. Eine neue Unart besteht darin, als Agentur dem Autor ein Lektorat anzubieten, das der Autor bezahlen muss. Das verstößt gegen die Regel, dass ein Autor nie in finanzielle Vorleistung gehen braucht.
Agenten gibt es wie Sand am Meer. Es ist kein geschütztes Berufsbild. Es gibt Menschen, die denken, sie können sich mal eben darin versuchen. Agententätigkeit ist eine anspruchsvolle Arbeit, die Feingespür und gute, jahrelang gewachsene Beziehungen in der Verlagsbranche voraussetzt. Überlassen Sie Ihr Werk keinem Anfänger. Überprüfen Sie die Referenzen. Hat der Agent in der Vergangenheit mehrere erfolgreiche Bücher an den Markt vermittelt? Würden die Autoren, die er vertreten hat, ihren Agenten weiter empfehlen? Scheuen Sie sich nicht, Kollegen nach ihren Erfahrungen zu fragen.
Es gibt weitere Vorteile, über einen Agenten zu gehen: Er hat Erfahrung in Verlagsverträgen. Er überwacht aus eigenem Interesse die Zahlungen. Die 15 Prozent, die ein Agent an Ihrem Buchhonorar (und nur daran) verdient, sind also eine gute Investition.
Aber auch weitere Nachteile: Bei Agenturen mit engem Verhältnis zu bestimmten Verlagen kann es passieren, dass sich die Agentur im Streitfall auf Seiten des Verlages stellt und Sie fallen lässt. Zum anderen entsteht durch eine Agentur ein Dreiecksverhältnis. Es erschwert die Kommunikation und Entscheidungsfindung, wenn bestimmte Details zwischen Autor, Verlag und Agentur in Einklang gebracht werden sollen.
Unterschreiben Sie nie überstürzt einen Agenturvertrag. Prüfen Sie ihn sorgfältig, verhandeln Sie nach, holen Sie sich Unterstützung. Der Vertrag muss genauestens regeln, in welcher Weise der Agent für Sie tätig wird. Er darf nur für diejenigen Leistungen Prozente kassieren, die er vermittelt hat, nicht etwa für Lesungen oder Beiträge in Anthologien. Achten Sie darauf, dass die Kündigungsfrist nicht länger als ein Viertel Jahr beträgt. Messen Sie den Agenten an den Ergebnissen, nicht seinen Worten. Es hilft Ihrem Buch nicht, wenn Ihnen der Agent stundenlang erzählt, wie toll er es findet. Klären Sie ab, welche Verlage er anspricht. Notieren Sie sich die Verlage, lassen Sie sich sagen, aus welchen Gründen das Manuskript abgelehnt wurde. Sollte der Agent nach etwa fünf bis sieben Versuchen noch keinen Verlag gefunden haben, sollten Sie hellhörig werden. Kündigen Sie den Vertrag, bevor er womöglich mit einer ungeeigneten Strategie alle Verlage abgeklappert hat. Jetzt haben Sie drei Möglichkeiten: einen besseren Agenten suchen, auf eigene Faust verschicken oder doch noch einmal an Ihrem Manuskript arbeiten.

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