Prosa und Persönlichkeit

Schreiben heißt sich selber lesen.
Max Frisch

Das Wort Prosa bezeichnet im Lateinischen prorsus/prosa oratio die nach vorn gerichtete, schlichte Rede. In der Literatur teilt sie Beobachtetes, Empfundenes, Er- und Gedachtes mit und stellt neue Sinnzusammenhänge her. Im Unterschied zur Lyrik ist die Prosa nicht versförmig und nicht verdichtet. Und im Unterschied zum Drama ist sie nicht auf Dialog und Handlung beschränkt. Von beiden angrenzenden klassischen Formen wie auch von den neueren Formen des Drehbuchs und der Journalistik lässt sich für die Prosa einiges lernen. So bedient sich die literarische Prosa in Wortwahl, Satzbau, Sprachmelodie, Bildhaftigkeit und Sprachrhythmus eigentlich poetischer Gestaltungsmittel, in Dialogen und Spannungsbogen dramatischer Aspekte.
Der Essay, die Kolumne, der Brief und die Memoiren sind Beispiele für gleitende Übergänge hin zum Sachtext und zur Gebrauchsprosa.
Literarische Prosagenres sind z.B. der Roman, die Novelle, die Erzählung, die Kurzgeschichte. Das Erfassen des jeweiligen Genres ist für das Gelingen eines Textes von Bedeutung. Form und Inhalt entwickeln sich in engem Wechselspiel. Ob die Sprache dabei nach vorn gerichtet und schlicht ist oder in sich gekehrt, sinnlich, straff oder ausschweifend, das ist eine Frage der Angemessenheit. Mit dem Ringen um diese Angemessenheit gerät die Arbeit an einem Text nicht zuletzt zu einer Auseinandersetzung mit sich selbst. Mit der Fähigkeit, sich gelingend auszudrücken, wird auch die eigene Persönlichkeit abgerundet und bereichert.

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