Oktobermorgen

von Bettina Haase, 2010

Goldene Herbstsonne an kaltem Oktobermorgen. Leises Surren der S-Bahn im 30-Minuten Takt. Irgendwo in den Ohren Klaviermusik. Fritz Kreislers „Liebesleid“. Zu kurz bis zum Zielbahnhof, zu lang, um an die Liebe keinen Gedanken zu verschwenden.
Heute der erste Raureif an Blättern und Pflanzen. Aus dem Nebel steigt langsam eine Landschaft. Aus der S-Bahn strömen Menschen mit Druckerschwärze an den Fingern. Unterm Arm klemmt „Die Zeit“. Die Vergangenheit steckt in Kolumnen. Morgen steht, dass gestern der erste Frost war, was niemand sah, weil der Blick in Serifen gefangen und der erste Raureif am noch warmen Feuilleton keine Haftung fand.

Dieser Beitrag wurde unter Leseproben veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreib einen Kommentar