Eine Frage, Herr Pliske

Roman Pliske ist Jahrgang 1970. Nach dem Studium der Germanistik und Geschichte in Heidelberg arbeitete er als freier Journalist, war Mitglied der Chefredaktion des Magazins „Bücher“. Die Affinität zur Literatur wurde ihm schon namenstechnisch angetragen. 1995 gründete Roman Pliske mit einem Kollegen den Berliner Elfenbein Verlag. Seit 2004 ist er Geschäftsführer des Mitteldeutschen Verlags.

Foto: Marcos Prosch

Daniel S.
Welche Kriterien spielen eine Rolle dabei, ein Buch wirklich zu verlegen?
1. Passt es in unser Verlagsprogramm oder ist es so einzigartig und erfolgsversprechend, dass es eine Programmerweiterung verdient hat?
2. Erreichen wir ein relevantes Zielpublikum? Lassen sich öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen planen? Gibt es ein Spezialpublikum, das wir thematisch oder künstlerisch ansprechen können?
3. Hat die Autorin oder der Autor Potential oder ist es ein Einzelstück? Ist eine Zusammenarbeit einigermaßen unkompliziert möglich? Ist eine Vernetzung gegeben oder gibt es die Bereitschaft sich für das eigene Werk einzusetzen?

Alexandra C.
Was macht einen guten Roman aus?
Sprache, Thema und die Gewissheit, dass er publiziert werden muss. Bei mir: Wenn ich ihn abends vor dem Einschlafen nicht weglegen kann, hat er ziemlich gute Karten …

Alfred H.
Warum verlegen deutsche Verlage lieber US-Thriller von hierzulande völlig unbekannten Autoren, anstatt die Manuskripte unbekannter deutscher Autoren heraus zu bringen?
Das weiß ich insofern nicht, da es unsere Situation nicht abbildet. Wir können uns die oft siebenstelligen Rechte dafür gar nicht leisten. Andererseits gibt ein Verlag oft bis zu 25% fürs Marketing aus, da scheinen diese Textsorten „sicherer“ zu sein. Gegenfrage: Wieso schreibt kein unbekannter deutscher Autor wie ein amerikanischer?

Marion R.
Mich würde interessieren, wie intensiv Verlage tatsächlich mit LiteraturagentInnen zusammen arbeiten und ob es die Chancen für bisher unveröffentlichte AutorInnen erhöht, sich nicht direkt an einen Verlag zu wenden, sondern von einer Agentur vertreten zu werden?
Das wird von der Verlagsgröße abhängen, größere literarische Verlage werden zwei bis drei Agenturen haben, denen sie vertrauen. Ich hingegen konnte selten einen Vorteil eines Agenturangebots ausmachen: Der Text war selten literarisch besser und bei manchen Vertragsklauseln habe ich schlicht Bauchschmerzen.

Gabriele F.-S.
Was würden Sie einem Erstlingsautor als die besten Zutaten zu einem erfolgreichen Roman empfehlen?
125 g Humor
300 ml Triebkraft
Salz für Tränen
3 Bio-Protagonisten (Gew.-Kl. M)
300 g geriebene Poesie
1 Sprachkraft
4 El Verfilmbarkeit
Pfeffer für Interviews aus der Mühle

Jannine K.
Wie wahrt man, auch über viele Jahre hinweg, seinen eigenen Anspruch an die Qualität von Literatur?
Wie könnte man ihn verwässern? Vielleicht wandelt sich der eigene Anspruch, aber sollte er dadurch weniger qualitätvoll sein? Er kann sich mit der Zeit ja auch zuspitzen. Bei uns speziell: Da wir nicht ausschließlich auf den Markterfolg in Bahnhofsbuchhandlungen angewiesen sind, haben wir da durchaus Spielraum und Freiheiten …

Karl V.
Sind E-books in Zukunft ein Anker für kleine und mittlere Verlage?
Will man einen Anker oder will man Fahrt aufnehmen? Die Frage ist vielmehr: Wann ist der richtige Zeitpunkt damit zu beginnen? Am Anfang der Entwicklung gibt man noch zuviel Geld aus, am Ende kommt man zu spät …
Was bleibt sind die Probleme für kleinere und mittelgroße Verlage: die Vertriebswege. Diese werden sich auf für E-Books nicht zum Vorteil verändern.

Julia M.
Wenn ich einem Verlag mehrere Erzählungen anbieten möchte, wie viele davon schicke ich ihm vorab und wie wähle ich eine begrenzte Anzahl aus?
10-20 Seiten, am besten man testet im Bekanntenkreis, welche am meisten begeistern. Sicherlich hilfreich ist auch ein erster Versuch bei literarischen Zeitschriften, um Reaktionen und möglicherweise hilfreiche Hinweise zu bekommen. Sieht auch gut in der Vita aus.

Melanie K.
Welchen Wert hat ein Wort?
Den, den ein anderer bereit ist zu entrichten. Sonst muss man es für sich behalten.

Martina E.
Welches Manuskript eines eher unbekannten Autors hat Sie zuletzt besonders überrascht?
Ein Inselkrimi der auf Hiddensee spielt, von Tim Herden. Humorvoll erzählt, regional verankert und handwerklich sauber. Für ein Debüt: außergewöhnlich. Und so stimmungsvoll, dass ich gleich den nächsten Sommerurlaub umgebucht hab’.

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