Eine Frage, Herr Löcher-Lawrence

Werner Löcher-Lawrence, Jahrgang 1956, studierte Journalismus, Literatur und Philosophie, arbeitete an der Universität München und zwanzig Jahre als Lektor. Er war Verlagsleiter für das literarische Programm bei DVA. Seit 2003 ist er als literarischer Agent und Übersetzer tätig.
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Frage von Gabriele F.-S.
Was würden Sie einem Erstlingsautor als die besten Zutaten zu einem erfolgreichen Roman empfehlen?
Interessant sein. Geschichten erzählen, mit denen die Leser etwas verbinden. Ereignisse, die für etwas stehen/etwas erläutern. Etwas, das einem eine neue Perspektive, eine neue kleine Wahrheit eröffnet. Larger than life, aber genauso wahr.

Frage von Sigrid U.
Welche Art der bei Ihnen eingesendeten Manuskripte erfüllen Ihre Kriterien überhaupt nicht und wie muss ein Manuskript sein, dass von Ihnen auf jeden Fall vertreten wird?
Am Schlimmsten sind die, die einer vagen Idee hinterherschreiben, wie „man“ schreibt. Und dann die Zutaten in den Topf geben, ohne daran zu denken, dass es ein eigenes Rezept braucht. So wie XY zu schreiben, geht nicht. Und bitte nicht die Geschichte beschreiben, sondern sie erzählen. Originell sein, inhaltlich wie sprachlich. Man muss etwas Außergewöhnliches haben, etwas Eigenes.

Frage von Annette N.
Was muss ich machen, damit mein Manuskript von Ihnen gelesen wird?
Es mir schicken.

Frage von Sven K.
Was empfehlen Sie (auf Grund von Schreibstil, Genre oder fehlender Zuverlässigkeit) schwer vermittelbaren Autoren?
Für sich selbst zu schreiben und nicht unbedingt veröffentlicht werden zu wollen. Vielleicht wird dann ja doch irgendwann was draus, wenn man nach vielen Jahren und vielen Geschichten endlich seinen Ton und seine Geschichte gefunden hat.

Frage von Karl V.
Geht ein Autor ohne Agenten im Literaturbetrieb baden?
Ich bade im Meer oder im Schwimmbad.

Frage von Anne S.
Woran erkennt man eine seriös arbeitende Agentur?
Daran, dass sie kein Geld für Beratung und „Lektorat“, sich aber Zeit nimmt – und auskennt. Ablehnungen kann allerdings keiner ernsthaft begründen, nur sehr pauschal und dem Einzelfall meist nicht gerecht werdend (da müsste man tief einsteigen und die Zeit haben die wenigsten – also dann lieber ein Formbrief). Die Zeit gibt’s also erst, wenn Sie den Agenten grundsätzlich von sich überzeugt haben. Mit einem guten, originellen Text.

Frage von Martina E.
Für welchen Autor mussten Sie sich gegen erste Widerstände besonders einsetzen und hatten Erfolg damit?
Wenn Sie meine Klientin wären, würde ich solche Details nicht an Dritte weitergeben.

Frage von Bettina von C.
Viele Manuskripte werden abgelehnt, weil der Plot nicht vermarktbar ist. Wäre es nicht sinnvoll, eine Gesprächsplattform zwischen Agenten und Autor einzurichten, BEVOR der Autor ein Manuskript schreibt, das am Markt vorbei geht?
Die Behauptung ist so viel zu pauschal. Die meisten Manuskripte werden abgelehnt, weil sie sprachlich und/oder inhaltlich uninteressant sind. Dennoch: Wenn ich weiß, ein Autor schreibt wirklich gut, rede ich gerne mit ihm über seine Buchideen. Aber nur dem Markt hinterherschreiben, bringt’s auch nicht. Und etwas zu erzählen zu haben, gehört mit zum Schreibenkönnen. Gut schreiben ist wie gut malen – dringt wie gute Kunst ein Stück tiefer als unsere Alltagswahrnehmung. Das macht Geschichten interessant, gekoppelt mit dem nötigen schriftlichen Ausdrucksvermögen.

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