Eine Frage, Herr Bischoff

Matthias Bischoff, Jahrgang 1962, Literaturwissenschaftler und Journalist, seit 1993 beim Frankfurter Eichborn Verlag und betreut dort als Cheflektor u.a. Belletristik-Autoren.

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Gabriele F.-S.
Was würden Sie einem Erstlingsautor als die besten Zutaten zu einem erfolgreichen Roman empfehlen?
Die Frage lässt sich nur für Unterhaltungsliteratur beantworten; warum sogenannte literarische Werke erfolgreich sind, entzieht sich der Planbarkeit.
Ansonsten gilt: Umfassende Sachkenntnis (die sich aber nicht in den Vordergrund drängt), überzeugende Charaktere, plausible Erzählhaltung (idealerweise aus einer Perspektive) – und ein spannender Plot.

Sigrid K.
Selbst wenn alle Vorgaben wie Genre etc. berücksichtigt worden sind, habe ich schon den Eindruck gehabt, dass ein Manuskript, ohne überhaupt einen Blick darauf zu werfen, zurückgesandt wird. Warum ist es so schwierig, als unbekannte Autorin überhaupt von einem Lektor gelesen oder beachtet zu werden? Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, ob ein Manuskript überhaupt lesenswert ist?
Siehe oben. Oft bemerkt man aber schon beim Anschreiben, dass der Ton nicht stimmt, spätestens auf der ersten Seite.

Johannes M.
In welchem Umfang wünscht sich ein Lektor ein Thriller-Manuskript? Wie wünschen Sie sich ein Thriller-Manuskript eines bisher unveröffentlichten Autors?
Bei Mail am besten ganz – ich denke, man kann sich dann ausdrucken, was man braucht, anfangs drucke ich immer ca. 50 Seiten aus, höre aber mit dem Lesen nach 10 Seiten auf, wenn der Thriller keinen Thrill entwickelt.

Günther D.
Wie bildet sich ein Lektor aus einem Exposé ein erstes Urteil?
Ich persönlich kann aus Exposés nichts erkennen – ich brauche immer den Text.

Anne S.
Wie sieht für Sie ein gutes, aussagekräftiges Exposé aus? Oder ist es doch besser, das ganze Manuskript zu schicken?
Ja, immer Manus plus Exposé. Das Exposé knapp halten, mit ein, maximal zwei Seiten Zusammenfassung der Handlung; angeben, aus welcher Perspektive erzählt wird.

Nadine R.
Ist es tatsächlich der erste Satz, der entscheidend ist, was gedruckt wird und was nicht?
Allerdings, aber die Sätze zwei bis 789.969 sollten dann auch nicht schlechter sein.

Ulrike S.-H.
Warum werden so viele Bücher eines deutschen Autors/ einer deutschen Autorin unter einem amerikanisch klingenden Pseudonym veröffentlicht?
Ist das so? Bekannte deutsche Spannungsautoren: Schätzing, Noll, Hammesfahr, Eschbach, Hohlbein, Fitzek, Gehrke…

Karl V.
Schreiben Lektoren die besseren Bücher?
Nein. Idealerweise schreiben sie gar keine. So wie ja auch Musikkritiker oder Restauranttester nicht unbedingt Dirigenten oder Sterneköche sein müssen.

Christiane G.
Können Sie die Lektüre von Büchern überhaupt noch unvoreingenommen genießen – oder greifen Sie automatisch zum Rotstift?
Wenn ein Buch mich packt, vergesse ich binnen weniger Zeilen meinen Job – allerdings bin ich im Lauf der Jahre ungeduldiger und unduldsamer gegenüber den Texten geworden – früher habe ich öfters bis zum Ende durchgehalten, heute höre ich einfach auf, wenn mir ein Buch nichts sagt. Im Laufe des Lebens wird ja auch die Zeit knapper und kostbarer.

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