Drei Regeln für einen Roman

„Es gibt drei Regeln, wie man einen Roman schreibt. Unglücklicherweise weiß niemand, wie sie lauten.“

Diese Aussage von William Somerset Maugham ist nicht besonders hilfreich, wenn man gerade vor einem Romanprojekt steht, das einem wie ein unüberwindbarer Berg vorkommt.

Und: Soll das die Quintessenz aus jahrzehntelanger Romanerfahrung sein? Immerhin hat Somerset Maugham, der von 1874 bis 1965 lebte, aus seiner Manufaktur neben unzähligen Theaterstücken und Short Stories über zwanzig Romane ausgestoßen. Vermutlich meint er, dass es kein allgemeingültiges Rezept, keine einzig optimale Form und keinen Geheimtipp dafür gibt, wie man ein Manuskript zu einem gelingenden Ende führt. Und dass man, wenn man sich einem Stoff literarisch nähert, das Rad immer wieder neu erfinden muss, mag man auch noch so viel Erfahrung haben.

Hier nun von meiner Seite keine goldenen Regeln, aber ein paar Gedanken zum Romanschreiben bzw. Schriftsteller werden.

1. Fangen Sie klein an.
2. Spielen Sie.
3. Wenn Sie Erfolg haben wollen, tun Sie was dafür.

Zu 1. Wenn Sie sich vornehmen, ein 300-Seiten-Buch zu schreiben, liegt es nahe, dass Sie sich überheben. Mit viel Fleiß und Überwindung der einen oder anderen Blockade erreichen Sie dieses Ziel vielleicht. Aber ob das Manuskript dann so sinnlich und spannend geschrieben ist, dass es jemand freiwillig zu Ende liest (also nicht, weil er sich aus Freundschaft oder Mitgefühl verpflichtet fühlt), das ist die Frage. Deswegen: Beüben Sie Ihre Kreativität und Ihr Handwerk zunächst an handhabbaren Projekten wie Kurzgeschichten und Erzählungen. Profitieren Sie von Gruppenlektoraten und ausgewählten Schreibkursen, die Sie zu Erfahrungen bringen, die Sie allein nicht machen würden.

Zu 2. Probieren Sie sich aus. Spielen Sie in der Ernsthaftigkeit eines Kindes mit Figuren und Möglichkeiten, mit Form, Inhalt, Sätzen. Folgen Sie inneren Notwendigkeiten, trainieren Sie den Zustand zwischen Versenkung und Achtsamkeit. Machen Sie sich wieder auf, für das, was Sie zu übersehen oder vorschnell zu deuten gelernt haben. Dabei muss kein Produkt entstehen. Wenn Sie aber das Gefühl haben, es läuft auf eines hinaus, so schalten Sie Ihr Wissen spätestens ein, wenn es ans Überarbeiten geht. Scheuen Sie sich auf dem Weg dahin nicht davor, einfach nur so zu schreiben. Es wird vielleicht später eine Anwendung finden oder in einem größeren Rahmen einen Sinn bekommen.

Zu 3. Wenn Sie selbst beim Schreiben in seelischer Bewegung sind und Sinnlichkeit und gedanklichen Reichtum auf Papier ausschütten, so ist das Resultat nachhaltig, für Sie selbst. Wenn Sie ernsthafte Chancen darauf haben möchten, dass Ihr Manuskript als das eine von Tausend unverlangt eingesendeten Manuskripten in einem Publikumsverlag zu einem Buch wird, dann sollten Sie sich an einer recht frühen Stelle fragen: Wieviele Menschen könnte diese Geschichte interessieren? Sind es mehr als Sie selbst? Mehr als Ihr Partner, Ihre Freunde und eine Handvoll Kollegen? Nämlich um die 5000 potentiellen Leser? Diese oft in Diskredit gebrachte Idee des Markts als Korrektiv schließt das Erstgesagte nicht aus. Aber ich wage zu sagen, dass ein Text der nur einem Menschen (dem Verfasser) etwas gibt, keine Literatur ist. Also: Seien Sie sich treu, entwickeln Sie Ihren Stil und Ihre Geschichten in Hinblick darauf, was Sie selbst gern lesen möchten und noch ein paar Tausend Leser mehr.

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